Patchwork – Geschichte Teil 1

Es fing schon am Morgen beim Aufstehen an. Als ich mein Bett verließ, stieß ich mir meinen kleinen Zehen am Bett an. Innerhalb von fünf Minuten schwoll er an und wurde blau. Auf dem Weg zum Bad knallte ich mit meiner linken Hand an die Tür. Wenn das so weitergeht, würde ich mich noch krank melden müssen und nicht auf Arbeit gehen können. Aber das konnte ich mir nicht leisten. Aus dem Spiegel schaute mir mein langweiliges Gesicht entgehen. Nach allgemeiner Meinung, das einer dicken Person. Ich sage immer: „Ich habe an den richtigen Stellen Polster.“ Mein blondes Haar war zur Zeit schulterlang. Mit einem Stufenschnitt. Am Körper trug ich mehrere Tattoos, für jeden Lebensabschnitt eins.

Ich beeilte mich, für die Arbeit fertig zu werden. Natürlich flog ich die letzte Stufe der Treppe runter und krachte gegen die Wand, wodurch mein kleiner Zeh noch mal was abbekam. Mit Schmerzenstränen in den Augen ging ich weiter zu meiner Leidenschaft: Mein Auto! Alles selbst repariert und getunet. Am Anfang aus Mangel vom Geld und dann weil ich meistens mehr Ahnung von Autos habe als sonst wer. Schnell stieg ich ein und fuhr los.

Zum Glück war es bis zu meiner Arbeitsstelle nicht weit. Auf dem Parkplatz des Supermarkts warten schon 20 Kunden darauf reingeplassen zu werden. Super, wir machen erst in 15 Minuten auf. Was haben die Leute nur immer, dass sie schon vor den Öffnungszeiten da stehen. Dadurch kommen die auch nicht früher rein.  Also schnell parken und rein. Vor der Tür fiel mir mein Schlüssel zu Boden und ich stieß mir den Kopf an der Tür an. Als ich mienen Schlüssel endlich gefunden hatte, ging ich rein.

Mark war wie immer schon vor mir da. „Na Maria schaffen wir es mal pünktlich da zu sein? Du machst heute die Kasse gleich vom Anfang an, da Kelly krank ist.“ Ich hätte mich doch krank melden sollen. Aber gut. Ich klemmte mir die Kasse unter den Arm und ging los. Natürlich klemmte ich mir den Zeigefinger beim Einsetzen der Kasse ein. Schnell noch ein Pflaster holen und dann gingen auch schon die Türen auf.

Nach 2 Stunden war ich kurz davor jeden dieser Kunden umzubringen. Was die nur alle haben, ihren Frust an mir auszulassen. „Na Dickerchen, geht das nicht schneller?“ Oder „Nicht dass du mir meine Schokolade isst.“ Auch scheint es heute nur ältere Kunden zu geben, die ihre Spardosen gelernt haben, um dann hier ihren Einkauf zu bezahlen. Natürlich verzählen die sich und dann dauert das doppelt zu lang. Hilfsbereit kann man nicht sein, weil die sich daraufhin angegriffen fühlen. Gegen Mittag wurde es voll, als die ganzen Mittagspausler kommen, um ihre Einkäufe zu erledigen. Diese Leute haben nie Zeit und wehe, es dauert etwas länger.

Um Zwei versuchte ich eine Pause zu machen, aber heute musste anscheinend jeder Einkaufen gehen. Kaum dass ich fünf Minuten saß. „Maria, du musst an die Kasse. Es stehen zu viele Leute an.“ Also ging ich zur Kasse. Mein Brot, das ich mir für die Mittagspause gemacht hatte, legte ich unberührt zurück in die Brotzeitbox. Gegen 16 Uhr wurde es langsam etwas ruhiger. Zudem war mein Feierabend langsam in Sicht. Dann werde ich mein Brot packen und hinauf zum Eibsee fahren. Ich will nur noch Ruhe, keinen Menschen um mich herum. Pünktlich um 16:30 Uhr kam meine Ablösung und ich konnte endlich meine Kasse schließen und mich an die Abrechnung machen. Die war in Ordnung. Das reinste Wunder nachdem wie mein Tag schon begonnen hatte. Das wäre die Krönung des Tages gewesen.

Ohne ein Wort ging ich zu meinem Auto und stellte als erstes mal die Musik ein. Linking Park kam aus den Boxen. So saß ich da für ein paar Minuten. Schließlich fuhr ich vom Parkplatz Richtung Eibsee. Zum Glück kann man sich dort bis um 18 Uhr ein Boot ausleihen. Wie es auch anders sein sollte, waren um die Zeit nur Idioten auf den Straßen unterwegs. Trotzdem war ich keine 15 Minuten später am Eibsee. Es war wunderschönes Wetter,so ganz ohne nur eine einzige Wolke am Himmel. Weil so viele schon da waren, musste ich meinen Wagen ganz hinten am Ende des Parkplatzes hinstellen. Aber von hier hatte ich zumindest einen atemberaubenden Blick zum Eibsee. Aufgrund des Lichteinfalls konnte man verschiedene Schattierungen im Blau und Grün des Sees erkennen.

Ich lief langsam zum Bootsverleih und genoss dabei die frische Luft. Mike vom Bootsverleih kannte mich. „Na Maria? Wieder einen dieser Tage gehabt?. Aber jetzt hast du Glück. Gerade wurde ein Ruderboot zurückgegeben. Du kannst es dir nehmen. Und da noch viele Boote draußen sind, brauchst du nicht pünktlich um 18 Uhr zurück zu sein.“ „Mike, du bist ein Schatz!“, strahlte ich ihn an.

Sobald ich im Boot war, merkte ich, wie es mir langsam wieder besser ging. 1, 2, 3 und schön weiter rudern. Bloß weg von den voreingenommenen und gestressten Leuten. Ich beobachtete, wie manch einer versuchte mit dem Ruderboot klar zu kommen. Langsam schlich sich ein Lächeln in mein Gesicht. Weiter draußen war dann niemand mehr. Hier auf dem See gibt es nichts. Nichts als Ruhe und Stille …

Patch-Work Geschichte